Literatur im post-utopischen Raum | 15-12-2016

Gastsprecher: Dr. Frank Raddatz

Titel: Literatur im post-utopischen Raum

Datum: 15. Dezember

Zeit: 14.00-17.00 Uhr

Ort: Universteit van Amsterdam, Spuistraat 134, P.C. Hoofthuis K.09

 

Kurzbeschreibung:

Über Jahrhunderte schien es eine ausgemachte Sache, dass die Kunst und mit ihr die Literatur durch eine antizipatorische Funktion bestimmt werden. Friedrich Schillers Formel von „der ästhetischen Erziehung des Menschengeschlechts“ wurde zwar von den nachfolgenden Künstler –Generationen angesichts der sich verändernden Horizonte der Zeit aktualisiert, aber der grundlegende in das Künftige weisende Vektor nicht in Frage gestellt. Seit uns die >Zukunft abhandengekommen ist< (Harald Welzer) und die Präsenzästhetik (Hans-Ulrich Gumbrecht, Martin Seel) mit ihren Realitätseffekten immer größeren Raum einnimmt, muss die Literatur ihren Ort neu bestimmen. Symptomatisch für diese Entwicklung scheint, dass zum Beispiel 2015 mit Sasha Reh, Nora Bossong, Ulrich Pelzer und dem mit dem deutschen Buchpreis 2015 ausgezeichneten Frank Witzel gleich vier Autoren Titel vorlegten, die sich mit gesellschaftlichen Utopien und ihren politischen Akteuren im 20. Jahrhundert beschäftigen. Der Vortrag fragt mit Blick auf die deutsche Gegenwartsliteratur, ob Schillers Maxime in welcher Variation auch immer heute noch relevant ist oder ob die Literatur fortan tatsächlich ohne geschichtliche Echoräume und unausgelotete Möglichkeitsräume auskommen muss.

Literatur:

  • William Shakespeare >Hamlet<,
  • Heiner Müller >Die Hamletmaschine<,
  • Jacques Ranciére >Die ethische Wende in der Ästhetik< in: >Das ästhetisch Unbewußte<

Zur Person:

Frank M. Raddatz, Lettre International, Publizist, Dramaturg an diversen Theatern, Zusammenarbeit u. a. mit Heiner Müller, Dimiter Gotscheff, Theodoros Terzopoulos, Einar Schleef und Tadashi Suzuki. Mitglied des ITI. Lehrt an verschiedenen Universitäten. Derzeit Universität Greifswald, Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Berlin. Veröffentlicht regelmäßig im Bereich Literatur und Theater. Zuletzt 2016 >Das mimetische Dilemma<, >Republik Castorf<, >Acting Cities – Theater im öffentlichen Raum<. Beide im Alexanderverlag, Berlin.

Agenda