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Germania

Kursname

Germania – Aufstieg und Fall eines Mythos

Kursleiter

EC

10

Kurstermin

semester 2 (2014 - 2015)

Anmeldefrist

- 16/01/2015

Ort

Amsterdam und Leiden

Dozent(en)

Prof. Dr. Anthonya Visser, Prof. Dr. Nicole Colin, Dr. Anna Seidl

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Lernziele

  • Studierende erwerben grundlegende Kenntnisse über die Deutsche Geschichte sowie den Zusammenhang zwischen Nationalismus und Nationalsozialismus
  • Studierende haben grundlegende Kenntnisse von und praktische Fertigkeit in film-, literatur- sowie kulturtheoretischer Analysearbeit.
  • Studierende erarbeiten sich weitgehend selbstständig ein eigenes Thema anhand mindestens eines der vorgestellten Beispiele, in dem Analyse, Rezeption und theoretische Unterbauung berücksichtigt sind.
  • Studierende sind in der Lage, mündliche und schriftliche Referate und Co-Referate sowie Diskussionsbeiträge auf inhaltlich und sprachlich angemessenem Niveau (C1/C2) beizusteuern.
  • Studierende sind in der Lage eine (semi-)wissenschaftliche Konferenz zu organisieren und durchzuführen, auf der den MA-Studiengang abschießende Arbeiten auf inhaltlich und sprachlich angemessenem Niveau (C1/C2) präsentiert und diskutiert werden.

Inhalt

Das Seminar macht sich zur Aufgabe, die unterschiedlichen Facetten des unheilvollen „Germania-Mythos“ zu beleuchten und seine Konstruktion sowie Dekonstruktion zu analysieren.

Wenngleich der Ursprung des Mythos Tacitus „Germania“ bildet, ist der Beginn seiner Entstehungsgeschichte erst im 19. Jahrhundert zu verorten. Ausgehend von Tacitus’ Schrift entwickelte der Altertumswissenschaftler Gustaf Kossinna, der als einer der Wegbereiter der nationalsozialistischen Ideologie gilt, seine pseudo-wissenschaftliche Theorie einer rassisch begründeten Überlegenheit der Deutschen, derer sich schließlich die nationalsozialistischen Rassentheoretiker bedienten. Darüber hinaus und parallel dazu ist aber auch im Kontext der im 19. Jahrhundert aufkeimenden Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich eine Fokussierung auf einen „germanischen“ Mythos festzustellen.

Vier Aspekte sollen im Mittelpunkt des Seminars stehen:

  1. Tacitus Schrift „Germania“ und seine Interpretation im 19. Jahrhundert
  2. Germania contra Marianne: Die deutsch-französische „Erbfeindschaft“ – u.a. am Beispiel der Dramen von Heinrich von Kleist („Der Prinz von Homburg“, „Die Hermannsschlacht“)
  3. „Germania“ im „Dritten Reich“: Reichshauptstadt und nationalsozialistische Ästhetik (Albert Speer, Leni Riefenstahl, Arno Breker)
  4. Dekonstruktion des Mythos: Heiner Müller („Germania Tod in Berlin“, „Germania 3“) sowie Theaterinszenierungen von Claus Peymann („Hermannsschlacht“), Matthias Langhoff („Der Prinz von Homburg“) etc.

Prüfung

Voraussetzung zur Prüfung ist die Anwesenheit und aktive Mitarbeit an allen Seminarveranstaltungen. Die Beurteilung findet auf der Basis folgender Prüfungsteile statt:

  • Verschiedene einzelne Aufgaben zur Vorbereitung in das Thema (20%),
  • Präsentation der eigenen Projektarbeit (Studienarbeit) mit Handout und Partizipation in Diskussionen (20%);
  • Kommentar zu einer anderen Präsentation anhand des Handouts und des Vortrags (10%);
  • Schriftliche Ausarbeitung des eigenen Projekts (Studienarbeit) (unter Verarbeitung der Kommentare; 50%),

Alle schriftlichen Aufgaben werden in adäquatem Deutsch und entsprechend der angegebenen formalen Vorgaben über die digitale Lernplattform (Wikispaces) eingereicht.

 

Literatur

  • Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke und Briefe. Hg. von Helmut Sembdner. München: dtv 2001.
  • Klaus Müller-Salget: Heinrich von Kleist. Stuttgart: Reclam 2002.
  • Martin Maurach: „Ein Deutscher, den wir erst jetzt erkennen“. Heinrich von Kleist zur Zeit des Nationalsozialismus. Heilbronn 2011.
  • Kleist und Frankreich. Hg. von Walter Müller-Seidel. Berlin 1969.
  • Jan Philipp Reemtsma: Blutiger Boden. Streifzug durch ein Textgelände. Mittelweg 36 3/1999.
  • Norbert Otto Eke: Heiner Müller. Stuttgart 1999.
  • Heiner Müller: Germania 3. Gespenster am toten Mann. Berlin 1996.
  • Heiner Müller: Germania Tod in Berlin (1956/71). Berlin 2007.
  • Artem Demenok: Welthauptstadt Germania. Dokumentarfilm 2005.
  • Hans J. Reichhardt, Wolfgang Schäche: Von Berlin nach Germania. Über die Zerstörungen der „Reichshauptstadt“ durch Albert Speers Neugestaltungsplanungen. Berlin 1998.
  • Mythos Germania. Schatten und Spuren der Reichshauptstadt. Ausstellungskatalog. Berlin 2012.
  • Heinz Grünert: Gustaf Kossinna. Ein Wegbereiter der nationalsozialistischen Ideologe. In: Achim Leube [Hg.]: Prähistorie und Nationalsozialismus: Die mittel- und osteuropäische Ur- und Frühgeschichtsforschung in den Jahren 1933-1945. Heidelberg 2002, S. 307-320.
  • Manfred Fuhrmann (Übers.): Tacitus. Germania. Stuttgart 197.
  • Christopher B. Krebs: Ein gefährliches Buch – Die „Germania“ des Tacitus und die Erfindung der Deutschen. München 2012.
  • Allan A. Lund: Germanenideologie im Nationalsozialismus. Zur Rezeption der “Germania” des Tacitus im “Dritten Reich”. Heidelberg 1995.
  • Dieter Mertens: Die Instrumentalisierung der “Germania” des Tacitus durch die deutschen Humanisten. In: Heinrich Beck (Hrsg.): Zur Geschichte der Gleichung “germanisch-deutsch”. de Gruyter, Berlin/New York 2004, S. 37-101.
  • Ingo Wiwjorra: Der Germanenmythos. Konstruktion einer Weltanschauung in der Altertumsforschung des 19. Jahrhunderts. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt 2006.

Übrige Information

Intensives Blockseminar, dem eine vorbereitende Einführung vorangeht und mit einer Abschlussveranstaltung schließt, auf der die Ergebnisse der Projektarbeit dargestellt und diskutiert werden.

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