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Hitlerpersiflagen

Kursname

Hitlerpersiflagen: Seit wann kann man über Hitler lachen?

Kursleiter

EC

10

Kurstermin

semester 1 (2014 - 2015)

Anmeldefrist

- 15/08/2014

Ort

Nijmegen / Utrecht

Dozent(en)

Dr. Yvonne Delhey / Dr. Barbara Mariacher

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Lernziele

  • Studierende erwerben grundlegende Kenntnisse über den Darstellungsmodus der Satire.
  • Studierende haben grundlegende Kenntnisse von und praktische Fertigkeit in film-, literatur- sowie kulturtheoretischer Analysearbeit.
  • Studierende erarbeiten sich weitgehend selbstständig ein eigenes Thema anhand mindestens eines der vorgestellten satirischen Beispiele, in dem Analyse, Rezeption und theoretische Unterbauung berücksichtigt sind.
  • Studierende sind in der Lage, mündliche und schriftliche Referate und Co-Referate sowie Diskussionsbeiträge auf inhaltlich und sprachlich angemessenem Niveau (C1/C2) beizusteuern.
  • Studierende sind in der Lage eine (semi-)wissenschaftliche Konferenz zu organisieren und durchzuführen, auf der den MA-Studiengang abschießende Arbeiten auf inhaltlich und sprachlich angemessenem Niveau (C1/C2) präsentiert und diskutiert werden.

 

Inhalt

2012 veröffentlichte der Journalist Timur Vermes unter dem Titel Er ist wieder da seinen Debütroman, der in kürzester Zeit auf die Bestsellerlisten in den Medien gelangte und sich inzwischen in 30 Länder verkaufte. Es handelt sich um eine Satire in der Adolf Hitler im Jahr 2011 mitten in Berlin auf einem brachliegenden Platz, auf dem ein paar Jungen Fußball spielen, aufwacht. Bemerkenswert ist die Erzählperspektive, durch die die gesamte Handlung aus der Sicht Hitlers dargestellt wird. Der Effekt, der sich durch diese Ich-Erzählung herstellt, verstärkt sich in der von Christoph Maria Herbst gesprochenen Hörbuchfassung. Die Darstellung spielt mit dem Moment unfreiwilliger Komik und ruft die Frage auf: Kann man über Hitler lachen?

1951 erklärte der Philosoph Theodor W. Adorno, dass es barbarisch und daher unmöglich sei, nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben. Mit dem Satz, der in Adornos Aufsatz über ‚Kulturkritik und Gesellschaft’ steht, wird die gesellschaftliche Entwicklung nach 1945 in ein dialektisches Verhältnis von Kultur und Barbarei gestellt. Die Aussage, mit der jede engagierte Kulturarbeit nach den Schrecken der nationalsozialistischen Diktatur zum Ausdruck gesellschaftlicher Barbarei geriet, sorgte für kontroverse Diskussionen. Was hätte, fragt man sich aus heutiger Sicht, Adorno zu Er ist wieder da gesagt, oder zu einer der vielen Comedy-Beiträge – man denke an Helge Schneider in Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Hitler (2006) oder an den Hitlerauftritt der Kultfigur Stromberg (gespielt von Christoph Maria Herbst)?

Die ersten satirischen Darstellungen über Hitler gab es bereits während des Zweiten Weltkriegs, Charlie Chaplins The Great Dictator (1940) und Ernst Lubitschs To Be or Not to Be (1942), und Chaplin war mit seinem Film außerordentlich erfolgreich. Sowohl der Plot wie die Entstehungsgeschichte von Lubitschs Film erscheinen aus heutiger Sicht bemerkenswert, weshalb er heute auch als einer seiner besten Filme betrachtet wird.

In diesem Seminar werden verschiedene Hitlerpersiflagen auf ihr Erkenntnispotential hin untersucht. Das Seminar ist intermedial angelegt und behandelt Beispiele aus sowohl Film, Theater, Comedy als literarischer Fiktion. Dabei wird von der Überlegung ausgegangen, dass die Satire ein Darstellungsmodus ist, der eigenen ästhetischen Gesetzen folgt. Das Seminar untersucht die rhetorischen Strategien und literarischen Muster der Satire, schaut sich die Rezeptionsgeschichte einzelner Satiren an und betrachtet darüber hinaus den historischen Kontext, in denen sie gesehen werden müssen.

Prüfung

Prüfungsform

Voraussetzung zur Prüfung ist die Anwesenheit und aktive Mitarbeit an allen Seminarveranstaltungen. Die Beurteilung findet auf der Basis folgender Prüfungsteile statt.

  • Verschiedene einzelne Aufgaben zur Vorbereitung in das Thema (20%),
  • Präsentation der eigenen Projektarbeit (Studienarbeit) mit Handout und Partizipation in Diskussionen (20%);
  • Kommentar zu einer anderen Präsentation anhand des Handouts und des Vortrags (10%);
  • Schriftliche Ausarbeitung des eigenen Projekts (Studienarbeit) (unter Verarbeitung der Kommentare; 50%),

Alle schriftlichen Aufgaben werden in adäquatem Deutsch und entsprechend der angegebenen formalen Vorgaben über die digitale Lernplattform (Wikispaces) eingereicht.

 

 

Literatur

Wissenschaftlich-theoretische Literatur und Primärtexte, u.a.:

  • Timur Vermes: Er ist wieder da. Köln: Eichborn Verlag 2012.
  • Georg Tabori: Mein Kampf. Textausgabe mit Materialien. Stuttgart: Klett 2004.
  • Verschiedene Filme und Mitschnitte von Comedy-Programmen
  • Präsentationen (Handouts) von Kommilitonen/Kommilitoninnen

 

Übrige Information

Arbeitsformen

Intensives Blockseminar, dem eine vorbereitende Einführung im September vorangeht und mit einer Abschlussveranstaltung im Dezember, auf der die Ergebnisse der Projektarbeit dargestellt und diskutiert werden.

 

Leistungdpunkte in ECTS

Der Verlauf des Seminars sieht folgendermaßen aus:

Einführungsveranstaltung, 19. September 2014, Utrecht

Arbeitsbelastung inkl. Vorbereitung: 60 Stunden

Zur Vorbereitung auf die Einführung werden verschiedene wissenschaftlich-theoretische Texte gelesen, die während der Einführungsveranstaltung besprochen werden und als Grundlage für die Vorstellung verschiedener satirischer Beispiele aus dem Bereich Film, Comedy, Theater und Literatur dienen.

Am Ende der Einführung sollten alle Studierenden einen Überblick über das Material und das die damit verbundenen theoretischen Begriffe und Konzepte haben, der als Basis für die weitere Vertiefung einzelner Themen und Beispiele im Blockseminar dient.

Blockseminar, 30. Oktober 2014 – 1. November 2014 (mit Übernachtungen), (Ort abhängig von Studierendenzahl)

Arbeitsbelastung der Vorbereitung: 60 Stunden

Arbeitsbelastung der Nachbereitung: 100 Stunden

Auf der Basis des Überblicks, der während der Einführung behandelt wurde, und mit dem Material, das zur Vorbereitung des Blockseminars bereitgestellt wird, bereiten sich die Studierenden auf die einzelnen satirischen Beispiele vor, die im Blockseminar ausführlich behandelt werden.

Parallel zum Blockseminar wird eine Autorenlesung und einzelne Filmvorführungen organisiert, die öffentlich sind.

Abschließende Veranstaltung, 12. Dezember 2014, Nijmegen

Arbeitsbelastung der Vorbereitung: 60 Stunden

Auf der Basis des Materials, das während des Blockseminars behandelt wurde, suchen sich die Studierenden (in Absprache mit den Dozenten) selbst ein Thema und arbeiten das in einer weitgehend selbstständigen projektbezogenen Studienarbeit in Kleingruppen aus.

Zuvor sind Handouts der hier zu haltenden Präsentationen von Studierenden zur Begutachtung einzureichen. Die darauf basierenden Präsentationen werden rechtzeitig an einen Peer verschickt. Studierende halten die Präsentation, auf die der Peer reagiert (dessen Kommentar liegt ebenfalls in schriftlicher Form vor). Aktive Teilnahme an den Diskussionen ist Voraussetzung für Erlangung der EC.

Kommentare werden verarbeitet in der abschließenden Studienarbeit.

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