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Kultur und Kritik

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Kursname

Kultur und Kritik: Europareflexionen in Kulturtheorie und Literatur nach 1989

Kursleiter

RUG

EC

5/6 EC

Kurstermin

semester 2 (2020 - 2021)

Anmeldefrist

26/10/2020 - 08/01/2021

Ort

UvA en RuG - This course will be taught online.

Dozent(en)

dr. Florian Lippert (RuG) en dr. Anna Seidl (UvA)

Email Kontakt

dr. Florian Lippert (RuG)

Lernziele

Die Studierenden verfügen über

– fortgeschrittenes Wissen und Kenntnisse in Literatur-, Kultur- und Texttheorien und -methoden im Kontext politischer Themen und interkultureller Prozesse;

– fortgeschrittenes Wissen und Kenntnisse über kulturwissenschaftliche und literarische Texte zum Thema Europavisionen;

– fortgeschrittenes Wissen über die Kulturen und Geschichte des europäischen Kontinents im Allgemeinen und deutschsprachiger Regionen im Speziellen;

– die Fähigkeit, deutschsprachige Texte verschiedener Gattungen und Stile zu lesen, zu interpretieren und zu vergleichen;

– die Fähigkeit, abstrakt und analytisch zu denken und Ideen aus verschiedenen Diskursen zur europäischen Einheit zusammenzubringen;

– die Fähigkeit, Probleme im Kontext ästhetischer und theoretischer Europadiskurse zu identifizieren und zu lösen;

– die Fähigkeit, sich klar und strukturiert auszudrücken und hierbei die Meinungen und Forschungsergebnisse Anderer einzubeziehen;

– die Fähigkeit, selbständig an einem Problemkomplex im Feld literarischer und theoretischer Europadiskurse zu arbeiten.

Inhalt

Die Fähigkeit zur (Selbst-) Reflexion ist eine grundlegende menschliche Eigenschaft. Mit ihr verbunden ist der kritische Umgang mit der eigenen Kultur. Kulturkritik bezieht sie sich nicht nur auf die Gesellschaft, sondern auch auf die Manifestationen der Kultur selbst. Sie ist von einer Haltung des Zweifels gegenüber Normen und Werten gekennzeichnet und hat vielfältige Ausdrucksformen und Techniken hervorgebracht. Diese zeigen sich sowohl in philosophischen, politischen, soziologischen und ästhetischen Diskursen als auch in den künstlerischen Manifestationen im Sinne der neuzeitlichen Selbstreflexivität von Kunst. In der Kulturkritik gibt es einerseits rückwärtsgewandte Tendenzen, die sich auf Traditionen berufen und die Wiederherstellung eines früheren und im Rückblick positiv bewertenden  Zustandes anstreben. Andererseits gibt es zukunftsorientierte Perspektiven, die Tendenzen zur Verbesserung oder Verschlechterung des bisherigen Zustands antizipieren. In der Literatur drückt sich das beispielsweise im Topos der Utopie oder Dystopie aus.

Zu den zentralen Kritikpunkten gehören bis heute Themen wie Entfremdung, Verdinglichung oder Rationalisierung sowie die alles bestimmende Herrschaft und Macht des Geldes, der Technik und der Medien. Deutschsprachige Grundlagentexte hierzu stammen u.a. von Friedrich Schiller, Karl Marx, Friedrich Nietzsche, Sigmund Freud, Max Weber, Oswald Spengler, Adorno, Thomas Mann, Martin Heidegger. Ausgehend von diesen kulturkritischen Ansätzen behandelt der Kurs sowohl das ästhetische Potential als auch die politische Brisanz der deutschsprachigen Kulturkritik vom ausgehenden 18. bis zum beginnenden 21. Jahrhundert.

Wohin steuert Europa? Gibt es eine gemeinsame europäische Zukunft? Wenn ja, wie sieht sie aus? Diese Fragen sind nicht allein politisch, sondern stark kulturell bestimmt. Ein drastisches Beispiel ist die im Rahmen der Flüchtlingskrise neu aufbrandende Diskussion um eine “kulturelle Identität Europas”, in deren Namen etwa Rechtspopulisten neuerdings eine gemeinsame abendländische Kultur beschwören, um aus einem ursprünglich integrativen Projekt eines der Ausgrenzung zu machen. Wo es aber um Kultur geht, fragt man besser die Experten: Literaten, Philosophen und Filmemacher setzen sich seit langem kritisch mit Fragen der Einheit und Diversität in Europa auseinander – so intensiv, hartnäckig und renitent, dass Heinrich Mann bereits 1927 feststellte, “das übernationale Gemeinschaftsgefühl der Europäer (sei) reine Erfindung der Dichter – nur von ihnen erhalten und aufbewahrt während der feindlichsten Zeiten”. Im Lauf des 20. Jahrhunderts überdauerte diese “Erfindung” beide Weltkriege und bekam mit dem Ende des Kalten Krieges einen neuen Schub, bevor sie durch die diversen Krisen der 2000er Jahre wieder nachhaltig in Frage gestellt wurde.

Die gegenwärtige Forschung unterscheidet unter anderem zwischen Emotionalisierung und Inszenierung von Europa-Narrativen: einem politisch, bürokratisch und technokratisch ausgerichteten und einem gefühlsbetonten Europa-Diskurs, der u.a. die Bereiche Heimat, geteilte Geschichte, Identität und Kultur umfasst. Das wirft Fragen zu Integrationsprozessen und europäischer Identität auf, die in der Berichterstattung, der Geschichtsschreibung, der Kunst und der Forschung jeweils unterschiedlichen Niederschlag finden.

In diesem Kurs werden wir uns mit kulturwissenschaftlichen und literarischen Texten, Essays und Theaterstücken aus dem Zeitraum seit 1989 beschäftigen, in denen Fragen der kulturellen, aber auch politischen und sozialen Einheit Europas kritisch verhandelt werden. Wir versuchen zu erfassen, welche die mögliche Breiten- und Tiefenwirkung gerade die Kunst im Hinblick auf die Idee ‚Europa‘ und verschiedene Europabilder erzielen kann bzw. möchte. Inwiefern lässt sich die „Gefühlsarbeit“ im kulturellen Bereich als Möglichkeits- und Gestaltungsraum alternativer Ansätze des europäischen Projekts verstehen?

Das Programm soll durch eine praxisorientierte Gastsitzung mit der Theaterregisseurin Katharina Birch zum europäischen Theater ergänzt werden.

Prüfung

Arbeitsformen
Das Seminar wird in der Form von Blockveranstaltungen angeboten. Zur Vorbereitung und aktiven Beteiligung sind regelmäßig Texte zu erarbeiten. Studentische Referate ergänzen die Lehrgespräche.

8 Themensitzungen von je 2,5 Stunden, verteilt auf 4 Sitzungstage insgesamt sowie eine Abschlussveranstaltung am Masterlanguage-Tag.

Die Teilnehmenden bereiten sich intensiv auf die einzelnen Seminarsitzungen vor. Alle TeilnehmerInnen erarbeiten sich während des Kurses ein eigenes Forschungsthema. Der Kurs wird mit einer Hausarbeit abgeschlossen.

Arbeitspensum
5 EC = 140 Stunden, davon:
Seminarsitzungen: 8 x 2,5 = 20
Vor- und Nachbereitung pro Sitzung: 4 x 12 = 50
Vorbereitung der Präsentation mit Diskussion: 20
Hausarbeit: 50

(UvA: 6EC extra Auftrag)

Prüfungsform

Voraussetzung zur Prüfung ist die Anwesenheit und aktive Mitarbeit an allen Seminarveranstaltungen. Die Beurteilung findet auf der Basis folgender Prüfungsteile statt:

– Präsentationen zum jeweiligen Unterrichtsmaterial mit Handout und Moderation der anschließenden Diskussion (zählt für 30% der Abschlussnote);
– Schriftliche Ausarbeitung des eigenen Projekts (Hausarbeit, 4000 Wörter +/-10% inklusive Fußnoten und exklusive Literaturliste) (zählt für 70% der Abschlussnote).

Alle schriftlichen Aufgaben werden in adäquatem Deutsch und entsprechend der angegebenen formalen Vorgaben über die digitale Lernplattform eingereicht.

Präsentationen zum jeweiligen Unterrichtsmaterial mit Handout und Moderation der anschließenden Diskussion 30%

Schriftliche Ausarbeitung des eigenen Projekts 70% Hausarbeit, 4000 Wörter +/-10% inklusive Fußnoten und exklusive Literaturliste.

Literatur

Literatur
Die genaue Leseliste wird rechtzeitig vor Kursbeginn bekanntgegeben. Selbst anzuschaffende Texte sind in gut erhältlichen Ausgaben zu finden. Zusatzmaterial wird über Links zur Verfügung gestellt.

Kosten
Max. 70 Euro (für Bücher).

Übrige Information

Rooster
Freitagmittag Termine jeweils 12.00-14.30 und 15.30-18.00.

Data
Fr. 12. Februar 2021 in Groningen,
Fr. 12. März 2021 in Amsterdam,
Fr. 16. April 2021 in Groningen, und
Fr. 21. Mai 2021 in Amsterdam

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