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Kultur und Medien

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Kursname

Bücher, Bilder, Bytes: Die Transformation literarischer Kulturen durch neue Medien und Digitalisierung

Kursleiter

UVA

EC

5

Kurstermin

semester 1 (2019-2020)

Anmeldefrist

06/03/2019 - 30/08/2019

Ort

UvA & UU

Dozent(en)

dr. Thomas Ernst (UvA) & dr. Charis Goer (UU)

Email Kontakt

dr. Thomas Ernst

Lernziele

Nach erfolgreichem Abschluss dieses Kurses haben die Studierenden fundierte Kenntnisse im Bereich der deutschsprachigen Literatur im Kontext des digitalen Wandels.

Die Studierenden sind in der Lage

  • mündliche und schriftliche Präsentationen und Diskussionsbeiträge auf inhaltlich und sprachlich angemessenem Niveau beizusteuern,
  • selbstständig Literatur zu den im Seminar behandelten Themenbereichen zu recherchieren, in strukturierter Form zu präsentieren (mündlich und schriftlich) und darüberhinausgehende Fragestellungen zu formulieren,
  • literarische Beispiele theoretisch und methodisch fundiert zu analysieren und eigene Fragestellungen, Thesen und Argumentationen zu entwickeln.

Inhalt

Kultur ist ein System von Meinungen, Werten und Praktiken, mit denen wir der Welt Bedeutung geben. Man könnte, mit Clifford Geertz, auch von einem Bedeutungsgewebe sprechen, in das wir uns selbst einspinnen. Kultur ist damit alles, was unseren Lebensalltag bestimmt. Sie ist vielseitig, komplex, menschengemacht, mehrdeutig, intermedial, diskursiv, vernetzt und: ein Produkt der Medien, denn über die Medien wird uns die Welt erklärt.

Medien sind Dispositive, durch die wir uns als Individuen so zur Welt verhalten, dass wir unser Handeln als sinnvoll erfahren. Ein Dispositiv bietet den Rahmen, durch den wir als Individuen Orientierung in der Gesellschaft finden.

Das wechselseitige Verhältnis lässt sich je nach theoretischer Perspektive in verschiedener Weise analytisch erfassen und in seiner historischen Entwicklung erschließen, weshalb sich mit dem Kurs zwei unterschiedliche Untersuchungsweisen verbinden: eine synchrone kultur- und medienanalytische und eine diachrone, auf historische Phänomene orientierte.

2019-2020

Schon im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die traditionelle Rolle der Literatur als kulturelles Leitmedium durch die zunehmende Verbreitung neuer Medien wie Radio, Film und Fernsehen in Frage gestellt. Im Übergang zum 21. Jahrhundert wird diese Tendenz durch die digitalen Formate verstärkt. Literatur befindet sich heute in Konkurrenz zu und im Verbund mit neuen elektronischen und neuesten digitalen Medien und löst sich zunehmend von der prägenden Bindung an das gedruckte Buch. Dieser Medienwandel bedeutet nicht das Ende der Literatur, bringt aber weitreichende Veränderungen mit sich.

Das Seminar konzentriert sich auf verschiedene literarische Kulturen nach dem ,Ende der Gutenberg-Galaxis‘. Es fragt danach, welche Auswirkungen die medialen Potenziale und die konkrete Nutzung digitaler Medien auf die Literatur – etwa auf Konzeptionen von Autorschaft und Poetiken – sowie auf den Literaturbetrieb – also die Distribution, Präsentation und Rezeption von Literatur – hat. Dabei beschäftigen wir uns aus einer literatur- und medientheoretischen Perspektive mit Reflexionen neuer und digitaler Medien in literarischen Texten, aber auch mit verschiedenen Formen der digitalen Literatur (u.a. Netzliteratur, Code Poetry, Twitteratur).

Einführend werden wir uns auf einer literatur-, medien- und kulturtheoretischen Ebene mit den für unser Seminar zentralen Begriffen der Literatur, des Mediums und der Digitalisierung beschäftigen. Wir lernen einschlägige Theorien zum historischen und zum digitalen Medienwandel sowie zu seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft und insbesondere auf die Literatur, ihre Produktion, Distribution und Rezeption, aber auch ihre juridischen Grundlagen und ihre Geschäftsmodelle, kennen.

Im Folgenden analysieren wir konkrete Bereiche der digitalen Literatur bzw. des digitalen Literaturbetriebs, indem wir zunächst das jeweilige Feld als solches beschreiben, um dann konkrete Texte bzw. Digitalprojekte zu analysieren und zu diskutieren. Dazu zählt erstens die Reflexion der Digitalisierung und ihrer Möglichkeiten in eher traditionellen Literaturformaten, wie etwa den Weblogs „Abfall für alle“ (1998) von Rainald Goetz und „Arbeit und Struktur“ (2010-13) von Wolfgang Herrndorf, die schließlich als gedrucktes Buch veröffentlicht wurden, oder in dem im Format eines Facebook-Chats verfassten Roman „Von der Zunahme der Zeichen“ (2016) von Senthuran Varatharajah. Zweitens interessieren uns hier Projekte einer digitalen Literatur, die sich nicht mehr in eine Buchform übersetzen lassen und die Literatur als einen sozialen und vernetzten Raum begreifen, wie beispielsweise Bas Böttchers Hypertext-Projekt „Looppool“ (1997) oder auch die Twitteratur von @Tiny_Tales (Florian Meimberg) und @NeinQuarterly (Eric Jarosinski), die kollaborativen Schreib- bzw. Social Reading-Projekte „Morgen mehr“ (2016) von Tilman Rammstedt, „Tausend Tode schreiben“ (2014-15) von Christiane Frohmann und anderen oder „Global & Beta“ von Kathrin Passig und anderen (2016). Die konkreten Beispiele wählen wir nach Interessenslage der Teilnehmenden gemeinsam aus.

Zudem werden wir uns mit der Digitalisierung im Bereich von Bildung, Schule und (Deutsch-)Unterricht auseinandersetzen und sowohl die Herausforderungen als auch Standards und mögliche Strategien eines digitalisierten Deutschunterrichts reflektiere.

Prüfung

Impulsreferat mit Handout und Diskussion: 25%

Präsentation und Diskussion des Hausarbeitsprojekts: 25%

Hausarbeit: 50%

Arbeitsaufwand/Studienleistung

5 ECTS = 140 Stunden, davon entfallen auf:
Seminarsitzungen: 5 x 4 = 20
Vor- und Nachbereitung pro Sitzung, insbesondere Lektüren: 5 x 10 = 50
Vorbereitung des Impulsreferats: 10
Vorbereitung der Hausarbeitsprojekt-Präsentation: 10
Hausarbeit: 50

Literatur

Vorläufige Literatur

Primärliteratur und digitale Literaturprojekte

  • Böttcher, Bas: Looppool. URL: http://www.basboettcher.de/?page=looppool.
  • Deutsches Literaturarchiv Marbach: Literatur im Netz. URL: http://literatur-im-netz.dla-marbach.de/.
  • Frohmann, Christiane (Hg.): Tausend Tode schreiben. Berlin: Frohmann 2015 [ePub oder mobi, siehe http://frohmann.orbanism.com/post/103971172641/1000tode].
  • Goetz, Rainald: Abfall für alle. Roman eines Jahres. 3. Aufl. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2003 (= suhrkamp taschenbuch 3542).
  • Herrndorf, Wolfgang: Arbeit und Struktur. Berlin: Rowohlt 2015 (= rororo) [siehe auch: Wolfgang Herrndorf: Arbeit und Struktur. URL: http://www.wolfgang-herrndorf.de/.].
  • Jarosinski, Eric: Nein. Ein Manifest. Frankfurt am Main: S. Fischer 2015 [siehe auch: Eric Jarosinski/@Nein_Quarterly. URL: https://twitter.com/NeinQuarterly?lang=de].
  • Meimberg, Florian: Auf die Länge kommt es an. Tiny Tales. Sehr kurze Geschichten. Frankfurt a.M.: Fischer 2011 [siehe auch: Florian Meimberg/@tiny_Tales. URL: https://twitter.com/tiny_tales?lang=de].
  • Passig, Kathrin u.a.: Global & Beta. E-Book Code Berlin. Berlin: mikrotext 2016 [URL: http://www.mikrotext.de/books/global-beta-e-book-code-berlin/].
  • Rammstedt, Tilman: Morgen mehr. München: Hanser 2016.
  • Sargnagel, Stefanie: Statusmeldungen. 2. Aufl. Reinbek: Rowohlt 2017.
  • Varatharajah, Senthuran: Vor der Zunahme der Zeichen. Frankfurt a.M.: Fischer 2016.

Theorien und Sekundärliteratur

  • Binczek, Natalie u.a. (Hg.): Handbuch Medien der Literatur. Berlin: de Gruyter 2013.
  • Gehlen, Dirk von: Mashup. Lob der Kopie. Berlin: Suhrkamp 2011 (= edition suhrkamp 2621).
  • Gendolla, Peter/Schäfer, Jörgen (Hg.): The Aesthetics of Net Literature. Writing, Reading and Playing in Programmable Media. Bielefeld: transcript 2007 (= Medienumbrüche/Media Upheavals 16).
  • Heibach, Christiane: Literatur im elektronischen Raum. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2003 (= suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1605).
  • Schäfer, Jörgen: Text-Spiele. Anmerkungen zur Netzliteratur. In: Sprache und Literatur, 35. Jg., Bd. 93 (2004). S. 76-87.
  • Simanowski, Roberto: Interfictions. Vom Schreiben im Netz. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2002 (= edition suhrkamp 2247).
  • Stalder, Felix: Kultur der Digitalität. Berlin: Suhrkamp 2016 (= edition suhrkamp, Bd. 2679)
  • Winko, Simone: Hyper – Text – Literatur. Digitale Literatur als Herausforderung an die Literaturwissenschaft. In: Harro Segeberg/Simone Winko (Hg.): Digitalität und Literalität. Zur Zukunft der Literatur. München: Fink 2005. S. 137-157.

Eine verbindliche Liste der zu lesenden und ggf. anzuschaffenden Lieratur wird rechtzeitig vor Seminarbeginn bekannt gegeben.

Kosten

Wir werden uns darum bemühen, die Lektüren in digitaler Form verfügbar zu machen. Sollte dies nicht gelingen, können Anschaffungskosten für Bücher in Höhe von bis zu 50 € anfallen.

 

Übrige Information

Stundenplannung

Freitag, 11.10., 15-19 Uhr, UvA
Mittwoch, 6.11., 13-17 Uhr, UvA
Mittwoch, 13.11., 13-17 Uhr, UU
Mittwoch, 20.11., 13-17 Uhr, UU
Mittwoch, 11.12., 13-17 Uhr, UvA

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