Cursussen

Kultur und Medien: Bücher, Bilder, Bytes

Kursname

Bücher, Bilder, Bytes: Die Transformation literarischer Kulturen durch neue Medien und Digitalisierung

Kursleiter

Utrecht

EC

5

Kurstermin

semester 1 (2017 - 2018)

Anmeldefrist

- 27/08/2017

Ort

Amsterdam und Utrecht

Dozent(en)

Dr. Thomas Ernst (UvA) / Dr. Charis Goer (UU)

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Lernziele

  • Die Studierenden besitzen grundlegende Kenntnisse in der literaturanalytischen Arbeit und nutzen dabei auch literatur-, medien- und kulturwissenschaftliche Theorien.
  • Die Studierenden können weitgehend selbstständig einen eigenen Analysefokus mit einer Fragestellung entwickeln, dabei erarbeiten sie sich einen Überblick über das Themenfeld, den Forschungsstand, hilfreiche theoretische und methodologische Ansätze sowie über die Implikationen des Medienwandels und die gesellschaftliche Rolle der Literatur.
  • Die Studierenden kennen die wichtigsten Felder der digitalen Gegenwartsliteratur, können diese in ein Verhältnis zu literarischen Traditionslinien und Gattungen setzen und an repräsentativen Beispielen produktiv analysieren.
  • Die Studierenden haben eine eigene Position zum digitalen Medienwandel und seinen Auswirkungen auf die Literatur und ihre gesellschaftliche Stellung entwickelt. Die Position basiert auf einem reflektierten Wissen über den Medienwandel, die Spezifität des Mediums Literatur und der medientheoretischen Implikationen digitaler Medien.
  • Die Studierenden sind in der Lage, mündliche Diskussions- und schriftliche Textbeiträge auf inhaltlich und sprachlich angemessenem Niveau (C1/C2) beizusteuern.
  • Die Studierenden sind in der Lage, eigene Fragestellungen zur veränderten Rolle der Literatur im historischen und insbesondere digitalen Medienwandel zu entwickeln, diese Fragestellung im Rahmen eines studentischen Symposiums auf inhaltlich und sprachlich angemessenem Niveau vorzustellen und zu diskutieren (C1/C2) und in einer schriftlichen Hausarbeit unter Nutzung einschlägiger Methoden und an einem klug gewählten Gegenstand zu untersuchen und zu beantworten.

Inhalt

Kultur ist ein System von Meinungen, Werten und Praktiken, mit denen wir der Welt Bedeutung geben. Man könnte, mit Clifford Geertz, auch von einem Bedeutungsgewebe sprechen, in das wir uns selbst einspinnen. Kultur ist damit alles, was unseren Lebensalltag bestimmt. Sie ist vielseitig, komplex, menschengemacht, mehrdeutig, intermedial, diskursiv, vernetzt und:  ein Produkt der Medien, denn über die Medien wird uns die Welt erklärt.

Medien sind Dispositive, durch die wir uns als Individuen so zur Welt verhalten, dass wir unser Handeln als sinnvoll erfahren. Ein Dispositiv bietet den Rahmen, durch den wir als Individuen Orientierung in der Gesellschaft finden.

Das wechselseitige Verhältnis lässt sich je nach theoretischer Perspektive  in verschiedener Weise analytisch erfasst und in seiner historischen Entwicklung erschließen, weshalb sich mit dem Kurs zwei unterschiedliche Untersuchungsweisen verbinden: eine synchrone kultur- und medienanalytische und eine diachrone, auf historische Phänomene orientierte.

 

Spezifizierung 2017/2018: Bücher, Bilder, Bytes: Die Transformation literarischer Kulturen durch neue Medien und Digitalisierung

 

Schon im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die traditionelle Rolle der Literatur als kulturelles Leitmedium durch die zunehmende Verbreitung neuer Medien wie Radio, Film und Fernsehen in Frage gestellt. Im Übergang zum 21. Jahrhundert wird diese Tendenz durch die Digitalisierung und ihre medialen Formate verstärkt. Literatur befindet sich heute in Konkurrenz zu und im Verbund mit neuen elektronischen und neuesten digitalen Medien und löst sich zunehmend von der prägenden Bindung an das gedruckte Buch. Dieser Medienwandel bedeutet nicht das Ende der Literatur, bringt aber weitreichende Veränderungen mit sich.

Das Seminar konzentriert sich auf verschiedene literarische Kulturen nach dem ,Ende der Gutenberg-Galaxis‘. Es fragt danach, welche Auswirkungen die medialen Potenziale und die konkrete Nutzung digitaler Medien auf die Literatur – etwa auf Konzeptionen von Autorschaft und Poetiken – sowie auf den Literaturbetrieb – also die Distribution, Präsentation und Rezeption von Literatur – hat. Dabei werden wir uns aus einer literatur- und medientheoretischen Perspektive mit Reflexionen neuer und digitaler Medien in literarischen Texten, aber auch mit verschiedenen Formen der digitalen Literatur (u.a. Netzliteratur, Code Poetry, Twitteratur) beschäftigen.

In der Einführungssitzung werden wir uns auf einer literatur-, medien- und kulturtheoretischen Ebene mit den für unser Seminar zentralen Begriffen der Literatur, des Mediums und der Digitalisierung beschäftigen. Wir lernen einschlägige Theorien zum historischen und zum digitalen Medienwandel sowie zu seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft und insbesondere auf die Literatur, ihre Produktion, Distribution und Rezeption, aber auch ihre juridischen Grundlagen und ihre Geschäftsmodelle, kennen. Nach Möglichkeit werden wir in diesem Rahmen auch einen Gastvortrag eines Experten des digitalen Medienwandels hören und mit dem Experten diskutieren können.

In den folgenden drei Sitzungen analysieren wir konkrete Bereiche der digitalen Literatur bzw. des digitalen Literaturbetriebs, indem wir zunächst das jeweilige Feld als solches beschreiben, um dann konkrete Texte bzw. Digitalprojekte zu analysieren und zu diskutieren. Dazu zählt erstens die Reflexion der Digitalisierung und ihrer Möglichkeiten in eher traditionellen Literaturformaten, wie etwa den Weblogs „Abfall für alle“ (1998) von Rainald Goetz und „Arbeit und Struktur“ (2010-13) von Wolfgang Herrndorf, die schließlich als traditionelles Buch veröffentlicht wurden, oder in dem im Format eines Facebook-Chats verfassten Roman „Von der Zunahme der Zeichen“ (2016) von Senthuran Varatharajah. Zweitens interessieren uns hier Projekte einer digitalen Literatur, die sich nicht mehr in eine Buchform übersetzen lassen und die Literatur als ein sozialen und vernetzten Raum begreifen, wie beispielsweise Bas Böttchers Hypertext-Projekt „Looppool“ (1997), die Code-Poetry Florian Cramers oder auch die Twitteratur von @Tiny_Tales (Florian Meimberg) oder @NeinQuarterly (Eric Jarosinski), die kollaborativen Schreib- bzw. Social Reading-Projekte „Morgen mehr“ (2016) von Tilman Rammstedt, „Tausend Tode schreiben“ (2014-15) von Christiane Frohmann und anderen oder „Global & Beta“ von Kathrin Passig und anderen (2016).

In einer Abschlusssitzung werden wir die Transformation literarischer Kulturen durch neue Medien und Digitalisierung noch einmal grundsätzlicher reflektieren, dazu bereiten die Studierenden Präsentationen zu ihren Hausarbeitsprojekten vor, die verschiedene Gegenstände aus den unterschiedlichen Feldern konkret untersuchen.

Arbeitsformen

 

  • Einführungssitzung mit einer allgemeinen Themeneinführung und der gemeinsamen Erarbeitung theoretischer, begrifflicher und methodologischer Grundlagen aus Literatur-, Medien- und Kulturwissenschaft; ggf. inkl. eines Expertenvortrags mit Diskussion
  • Analyseseminare mit Seminardiskussion und einer aktiven Partizipation der Studierenden durch mündliche Beiträge und ein Impulsreferat inkl. Diskussionsleitung
  • Abschlusssitzung mit studentischen Präsentationen zu den Hausarbeitsprojekten und einer gemeinsamen Abschlussdiskussion zu den Seminarthemen
  • Verfassen einer schriftlichen Hausarbeit

 

Prüfung

Voraussetzung zur Prüfung ist die Anwesenheit und aktive Mitarbeit an allen Seminarveranstaltungen. Die Beurteilung findet auf der Basis folgender Prüfungsteile statt:

  • Impulsreferat mit Diskussionsleitung im Rahmen der Blockveranstaltung (25%)
  • Präsentation des Hausarbeitsprojekts und aktive Partizipation an den Diskussionen im Rahmen der Abschlussveranstaltung (25%)
  • Hausarbeit (50%)

Arbeitsaufwand/Studienleistung

5 ECTS = 140 Stunden, davon entfallen auf:

  • Seminarsitzungen: 5 x 4 = 20
  • Vor- und Nachbereitung pro Sitzung, insbesondere Lektüren: 5 x 10 = 50
  • Vorbereitung des Impulsreferats: 10
  • Vorbereitung der Hausarbeitsprojekt-Präsentation: 10
  • Hausarbeit: 50

Primärliteratur und digitale Literaturprojekte

  • Böttcher, Bas: Looppool. URL: http://www.basboettcher.de/?page=looppool.
  • Deutsches Literaturarchiv Marbach: Literatur im Netz. URL: http://literatur-im-netz.dla-marbach.de/.
  • Frohmann, Christiane (Hg.): Tausend Tode schreiben. Berlin: Frohmann 2015 [ePub oder mobi, siehe http://frohmann.orbanism.com/post/103971172641/1000tode].
  • Goetz, Rainald: Abfall für alle. Roman eines Jahres. 3. Aufl. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2003 (= suhrkamp taschenbuch 3542).
  • Herrndorf, Wolfgang: Arbeit und Struktur. Berlin: Rowohlt 2015 (= rororo) [siehe auch: Wolfgang Herrndorf: Arbeit und Struktur. URL: http://www.wolfgang-herrndorf.de/.].
  • Jarosinski, Eric: Nein. Ein Manifest. Frankfurt am Main: S. Fischer 2015 [siehe auch: Eric Jarosinski/@Nein_Quarterly. URL: https://twitter.com/NeinQuarterly?lang=de].
  • Meimberg, Florian: Auf die Länge kommt es an. Tiny Tales. Sehr kurze Geschichten. Frankfurt a.M.: Fischer 2011 [siehe auch: Florian Meimberg/@tiny_Tales. URL: https://twitter.com/tiny_tales?lang=de].
  • Passig, Kathrin u.a.: Global & Beta. E-Book Code Berlin. Berlin: mikrotext 2016 [URL: http://www.mikrotext.de/books/global-beta-e-book-code-berlin/].
  • Rammstedt, Tilman: Morgen mehr. München: Hanser 2016.
  • Varatharajah, Senthuran: Vor der Zunahme der Zeichen. Frankfurt a.M.: Fischer 2016.

 

Theorien und Sekundärliteratur

  • Binczek, Natalie u.a. (Hg.): Handbuch Medien der Literatur. Berlin: de Gruyter 2013.
  • Gehlen, Dirk von: Mashup. Lob der Kopie. Berlin: Suhrkamp 2011 (= edition suhrkamp 2621).
  • Gendolla, Peter/Schäfer, Jörgen (Hg.): The Aesthetics of Net Literature. Writing, Reading and Playing in Programmable Media. Bielefeld: transcript 2007 (= Medienumbrüche/Media Upheavals 16).
  • Heibach, Christiane: Literatur im elektronischen Raum. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2003 (= suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1605).
  • Schäfer, Jörgen: Text-Spiele. Anmerkungen zur Netzliteratur. In: Sprache und Literatur, 35. Jg., Bd. 93 (2004). S. 76-87.
  • Simanowski, Roberto: Interfictions. Vom Schreiben im Netz. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2002 (= edition suhrkamp 2247).
  • Winko, Simone: Hyper – Text – Literatur. Digitale Literatur als Herausforderung an die Literaturwissenschaft. In: Harro Segeberg/Simone Winko (Hg.): Digitalität und Literalität. Zur Zukunft der Literatur. München: Fink 2005. S. 137-157.

 

Eine verbindliche Liste der zu lesenden und ggf. anzuschaffenden Lieratur wird rechtzeitig vor Seminarbeginn bekannt gegeben.

Übrige Information

Kursdaten

Woche 1: Einführungssitzung, FR, 17.11.2017, 13-17 Uhr, UvA (Raum n.A.)

  • Kennenlernen; Klärung organisatorischer Fragen
  • Auseinandersetzung mit den zentralen Begriffen, Theorien und Methoden des Seminars

 

Woche 2 bis 4: Analysesitzungen, FR, 01.12.2017, FR, 15.12.2017, SA, 16.12.2017, UU (Raum n.A.), “, 13-17 Uhr

  • Intensive Präsentation, Analyse und Diskussion verschiedener Felder der digitalen Literatur

 

Woche 5: Abschlusssitzung, FR, 26.01.2018, UvA (Raum n.A.)

  • Studentisches Symposium mit Präsentation und Diskussion der Hausarbeitsthemen

Kosten

Wir werden uns darum bemühen, alle Lektüren in digitaler Form verfügbar zu machen. Sollte dies nicht gelingen, können Anschaffungskosten für Bücher in Höhe von bis zu 50 € anfallen.