Cursussen

Sprachvariation des Deutschen

Kursname

Sprachvariation des Deutschen: Lästige Laute 5.0

Kursleiter

RUG

EC

5

Kurstermin

semester 1 (2017 - 2018)

Anmeldefrist

- 27/08/2017

Ort

Groningen

Dozent(en)

dr. Wolfgang Kehrein (RUG)

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Lernziele

Nach erfolgreichem Abschluss dieses Kurses haben die Studierenden fundierte Kenntnisse in den Bereichen Phonetik, Phonologie und Zweitspracherwerb.

Die Studierenden sind in der Lage:

  • mündliche und schriftliche Präsentationen und Diskussionsbeiträge auf inhaltlich und sprachlich angemessenem Niveau beizusteuern,
  • selbstständig Literatur zu den im Seminar behandelten Themenbereichen zu recherchieren, in strukturierter Form zu präsentieren (mündlich und schriftlich) und darüberhinausgehende Fragestellungen zu formulieren,
  • eine wissenschaftliche Arbeit zu einer mit dem Seminarthema zusammenhängenden Frage auf inhaltlich und sprachlich angemessenem Niveau zu verfassen (C1/C2).

Inhalt

Thema Sprachvariation des Deutschen

Das Deutsche ist wahrscheinlich die vielgestaltigste Sprache Europas, weshalb nicht wenige seiner ausländischen Studenten bei ihrem ersten Besuch eines sog. deutschsprachigen Landes verblüfft sind, dass die ihnen dort begegnende Sprache wenig Ähnlichkeit mit jener hat, die sie aus ihren Schulen und Universitäten kennen. (Barbour & Stevenson 1998, 2)

 

Dieser Kurs beschäftigt sich mit den verschiedenen Varietäten des Deutschen. Hierunter fallen u.a. die Standardvarietäten (in Deutschland, Österreich und der Schweiz), Dialekte und Regiolekte, verschiedene Sprachregister (Umgangssprache, Fachsprachen usw.) und Sondersprachen/Jargons (z.B. Jugendsprache) sowie historische Sprachzustände.

Die Varietäten des Deutschen lassen sich im Hinblick auf ihre sprachlichen Eigenschaften (Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik) analysieren und von der Standardsprache (besser: den Standardsprachen) abgrenzen, aber auch aus soziolinguistischer Perspektive untersuchen. Darüberhinaus bietet sich ein Vergleich der räumlichen, sozialen und historischen Variation des Deutschen mit verwandten Phänomenen im Niederländischen an. Jährlich widmet sich der Kurs einem anderen Phänomenbereich, der aus den genannten Perspektiven betrachtet wird.

 

Spezifizierung 2017-2018: Lästige Laute 5.0

Einem Muttersprachler genügt häufig ein kurzes Stück gesprochener Sprache, um einen ausländischen Akzent bei seinem Gesprächspartner zu entdecken. Dieser Akzent lässt sich in einigen Fällen leicht beschreiben, etwa wenn wir “schwierige” Laute in einer Fremdsprache durch andere Laute ersetzen (wir sagen ‘I sink’ und werden von einem freundlichen Engländer vor dem Ertrinken gerettet, obwohl wir eigentlich nur nachdenken wollten).

Viel häufiger aber sind die Abweichungen von der Zielsprache subtiler. Bei der Aussprache eines scheinbar simplen deutschen Wortes wie z.B. “Pol” lässt sich ein niederländischer Akzent bei jedem einzelnen der drei Laute nachweisen. Diese Akzentmerkmale sind für den Laien nur schwer zu beschreiben, lassen sich aber anhand verschiedener akustischer Parameter (hier: “voice onset time”, erster und zweiter Formant) leicht messen.

Das Seminar setzt es sich zum Ziel, das Phänomen Akzent von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Fragestellungen sind u.a.:

  • Was genau macht unseren Akzent in einer Fremdsprache aus (der Schwerpunkt liegt naturgemäß auf dem niederländischen Akzent im Deutschen)? Gibt es “schwierige” und “leichte” Laute?
  • Auf welchen lautlichen Ebenen tritt Akzent auf (Laute, Silben, Betonung, Intonation, …)?
  • Wie lassen sich Akzentmerkmale objektivieren (= messen)?
  • Welchen Einfluss hat unsere Muttersprache (L1) auf den Akzent in einer Zweitsprache (L2)? Gibt es noch weitere Einflüsse?
  • Ist es überhaupt möglich, eine Zweitsprache akzentfrei zu sprechen? Und wenn nicht: wie können wir unseren Akzent zumindest minimieren?

Das Seminar umfasst einen theoretischen und einen praktischen Teil. Im ersten Teil erwerben die Studierenden die notwendigen theoretischen Grundlagen in den folgenden Gebieten:

  • Phonetik (akustisch und artikulatorisch)
  • Phonologie (Struktur und Regeln/Beschränkungen)
  • Zweitspracherwerb (phonetisch-phonologische Aspekte)
  • Umgang mit Programmen zur akustischen Analyse von Sprache (insb. Praat, Boersma & Weenink 1992-2014) sowie Normalisierungsverfahren (Norm, Thomas & Kendall 2007-2012)

Im zweiten Teil führen die Studierenden (unter Anleitung der Dozenten) eine eigene empirische Untersuchung zum Thema Akzent durch (im Sinne eines Pilotprojekts).

Arbeitsformen

6 Seminartermine von je 4 Stunden, jeweils 13-17 Uhr.

Prüfung

Voraussetzung zur Prüfung ist die Anwesenheit und aktive Mitarbeit an allen Seminarveranstaltungen. Die Beurteilung findet auf der Basis folgender Prüfungsteile statt:

  • Einzelpräsentation während der Abschlussveranstaltung (30%)
  • Abschließende Hausarbeit zum Thema der Präsentation (70%).

 

Alle schriftlichen Aufgaben werden in Deutsch und entsprechend der angegebenen formalen Vorgaben über die digitale Lernplattform eingereicht. Deadline für die Hausarbeit ist der 12. Januar 2018.

Die Beurteilungskriterien für Referat und Hausarbeit sind:

  • Aufbau/Struktur und Inhalt
  • Literaturauswahl und -darstellung
  • wissenschaftliche Form (Zitierform, Literaturverweise etc.)
  • Rechtschreibung, Grammatik, Satzbau und Stil.

Arbeitsaufwand/Studienleistung

5 EC = 140 Stunden, davon…

  • Anwesenheit: 6×4 = 24
  • Vor- und Nachbereitung: 6 x 3 = 18
  • Datenvorbereitung, -aufnahme und -analyse: 30
  • Präsentation (samt Literaturrecherche und ppt): 28
  • Hausarbeit: 40

 

Ausgewählte Sekundärliteratur, die über die digitale Lernplattform angeboten wird.

Software:

Boersma, Paul & David Weenink (1992-2014): Praat – Doing phonetics by computer. Version 5.4. (www.praat.org)

Thomas, Erik R. & Tyler Kendall (2007-2012): Norm – The Vowel Normalization and Plotting Suite. (http://lvc.uoregon.edu/norm/norm1.php)

Übrige Information

Kosten

Keine Kosten für Studenten

 

Kursdaten

Vorläufiger Semesterplan:
15.9.2017

Vorstellung der Themen und des Studienmaterials
Einführung in die artikulatorische Phonetik
Phonetik vs. Phonologie

29.9.2017

Phonologische Aspekte des Zweispracherwerbs
Kontrastive Phonologie Deutsch/Niederländisch: Laute, Silben,    Betonung; Regeln/Beschränkungen

13.10.2017

Einführung in die akustische Phonetik
Einführung in die akustische Analyse von Sprache (PRAAT)

03.11.2017

Normalisierungsverfahren (NORM)
Vorstellung der eigenen Projekte

24.11.2017

Durchführung der akustischen Analyse

08.12.2017

Einzelpräsentationen der Kursteilnehmer und Diskussion

Die abschließende Hausarbeit wird nach dem Seminar und in individueller Rücksprache mit den beteiligten Dozenten erstellt.